Ein neuer Quilt aus alten Pullovern: Textilrecycling

Drei alte Pullover und ein bisschen Sonnenglanz: Natürlich schmeißen Patchworkerinnen wunderbare Shetlandpullover nicht weg, nur weil sie nicht mehr getragen werden. So ein dicker Winterquilt, gefüllt mit Wolle ist also eigentlich Textilrecycling im besten Sinne.

Drei alte Pullover und ein bisschen Sonnenglanz (Textilrecycling)
Drei alte Pullover und ein bisschen Sonnenglanz (Textilrecycling)

„Jaja, in dem Pullover hab ich damals Staatsexamen gemacht….“ – es gibt Kleidungsstücke, die mit Erinnerungen verbunden sind. Und dann ist irgendwann wirklich Schluss mit einem Lieblingsstück und es wechselt den Platz aus dem Kleiderschrank in die Kiste mit den Lieblingsstücken, die zu neuen Lieblingsstücken werden sollen. So auch geschehen mit einigen Winterpullovern aus Shetlandwolle, die damals – im nahezu ungeheizten Altbau in der Eifel -unersetzlich waren. Mit einer Wolldecke als Zwischenlage ist ein warmer, schwerer Quilt daraus geworden, der im Winter auf dem Bett liegt. Textilrecycling nennt man das heute, aber patchworkenden Menschen steckt das in der DNA, denen musste man Nachhaltigkeit noch nie erklären.

Kaufen – anziehen – wegschmeißen, denn nach der ersten Wäsche ist es eh nur noch als Putzlappen gut – vielleicht muss man das irgendwann zwischen 12 und 18 Jahren tatsächlich mal ausprobiert haben. Danach hat man verstanden, dass es im Leben doch noch was anderes gibt, als „ich kaufe, also bin ich“.

Drei alte Pullover und ein bisschen Sonnenglanz Quilt Detail (Textilrecycling)
Drei alte Pullover Quilt Detail (Textilrecycling)

Nach diesem Quilt habe ich endlich einen Obertransportfuß gekauft. Irgendwie hat sich die Bernina aber auch so durch die dicken Wollstoffe gequält. Heute weiß ich gar nicht mehr, wie das gehen konnte, ohne Obertransport. Dicke Wollstoffe sind zugegebenermaßen wirklich sehr sperrig und mühsam unter der Maschine. Aber das sind eigentlich die Quilts im ursprünglichen Sinne: Dicke Decken aus alten Kleidern, die die Siedler auch dann warm hielten, wenn es sonst nicht viel gab.

Gegen den Corona-Frust: Zwischen all den Masken mal wieder Applizieren mit der Nähmaschine

Klar sind wir gerne nützlich und nähen im Akkord Masken, aber zwischendurch darf der Spaß nicht fehlen. Und bestimmt erschreckt sich das Virus ja, wenn es so angeschaut wird und dreht dann ab. Das Motiv wollte ich mit der Nähmaschine applizieren. Der Schnitt ist ganz einfach, mit angeschnittenen Ärmeln und einem Abnäher für die Passform, ich hab ihn von einem T-Shirt abgezeichnet.

Jetzt muss das herhalten, was an Stoffen da ist. So mitten ins Getümmel der Stoffmärkte in Kairo mag ich mich gerade gar nicht so gerne reinstürzen und die heimischen Stoffgeschäfte bleiben unerreichbar, bis Egyptair und Lufthansa wieder abheben.
Aber sieh an, da war doch noch so ein Stück Leinen, letzten August in Birmingham auf dem Festival of Quilts aus einer Grabbelkiste gezogen. Also die Farbe nicht so meins, eigentlich, müsste es ein bisschen bunter, peppiger werden….

Applizieren mit der Nähmaschine kann ja auch schief gehen, also gut vorbereiten: Motive nicht zu filigran werden lassen, alles in seine Einzelteile auflösen und entscheiden, in welcher Reihenfolge genäht werden soll. Die einfachste Methode ist, alles spiegelverkehrt auf die Papierseite von Fliesofix (oder eine andere Marke) aufzuzeichnen. Die Teile dann auf die Rückseite vom jeweiligen Applikatiosstoff aufbügeln. Wenn Stoff und Papier gut verbunden sind, das Motiv ordentlich ausschneiden.

ausschneiden, legen, kleben…
Mehr Garn ist nicht zur Auswahl und das war ja auch nicht zum Sticken gedacht. Aber gute Nadeln habe ich wenigstens noch im Vorrat.
Erst einmal Probenähen.

Meine Aurora 450 hat mehrere gute Quiltstiche unter der Haube. Den Applikationsstich gibt es dreifach oder einfach. Ich habe mich hier für den Dreifachstich entschieden, weil der besser auf dem groben Stoff herauskommt. Mit dem offenen Stickfuß hat man freie Sicht auf die entscheidenden Stellen. Ecken unbedingt vorher noch einmal üben.

Dann kann es auch schon losgehen.

Es muss gar nicht alles absolut perfekt sein. Man kann auch noch Butterbrotpapier unten drunter legen, dann gleitet das Paket besser und der Stoff wird zusätzlich stabilisiert. Das Papier lässt sich hinterher leicht entfernen.

Not macht erfinderisch – da musste eine Lampe über den Esstisch.

Recycling macht’s möglich! Das Foto outet mich auch als leidenschaftlichen Bonn-Fan, die Kirschblüte im Hintergrund habe ich zu Weihnachten bekommen, genau auf die Koffergröße abgestimmt, damit es auch mit kann.

Nichts ist so ungemütlich wie eine nackte Glühbirne über dem Esstisch.

Aber nichts ist auch so gruselig wie die Lampenauswahl in Kairos Einrichtungsläden. Immerhin hat es ein nicht unerheblicher Stoff-Vorrat durch den Zoll geschafft, obwohl ich ihn mit der Post geschickt hatte. Da fand sich dann auch schnell etwas, es fehlt also nur noch der Unterbau. Leider ist Kairo allen ernstes eine Stadt ohne Baumarkt. Man kauft alles bei kleinen Händlern auf der Straße, die sind alle auf irgendetwas spezialisiert. Klar, dass die Anfängerin nicht weiß, wer was wo verkauft. Ist auch egal, weil sie sich ja eh im Bazar hoffnungslos verläuft und den Händler kein zweites Mal wieder findet. Wer kein Arabisch kann – also ich – hat sowieso verloren. Also nimmt man, was sich so findet.

Der Wassergallone den oberen Teil abschneiden und eine Fassung einbauen war leichter als gedacht.
so sieht das Ganze von innen aus.

El Hilo Latino geht fremd….

El Hilo Latino wollte mal was Neues sehen und dachte sich, es sei an der Zeit, den Kontinent zu wechseln….
Ganz neue Aussicht…

Perspektivenwechsel ist ja grundsätzlich sinnvoll, also greift man zu, wenn sich die Chance bietet, einen neuen Job mit ganz neuen Erfahrungen zu verbinden.

Da kam mir die (so ungefähr) 20-Millionen-Metropole Kairo gerade recht. Keiner weiß wirklich, wieviel der etwa 100 Millionen Ägypter wirklich im Einzugsgebiet der Hauptstadt leben, aber sicher ist, dass die meisten unter 30 sind, wenig Geld und Ausbildung haben aber randvoll mit Mut und Hoffnung sind. Alles drängelt sich entlang des legendären Flusses und an den Küsten, der Rest des Landes ist tatsächlich weitgehend – leer.

Sachkundige Assistenz

Endlich sorgt hier mal jemand für exakte Nahtzugaben

Im Nähzimmer ist eine sehr interessierte kleine Assistentin eingezogen, die tatsächlich alles stehen und liegen lässt, wenn ich mich an die Maschine setze. Den Oberfaden zwischen Garnrolle und Fadenspannung raus ziehen und damit lustige Sachen machen, habe ich verboten. Ist schwer gefallen, aber bevor man ganz rausfliegt lässt man besser (im Wortsinn) die Pfoten davon. Dafür kann man an allen anderen Sachen rumfummeln und heimlich auf dem Bügelbrett schlafen.

Kairo wird definitiv von genauso vielen Katzen wie Menschen bewohnt. Jeder Müllhaufen – und davon gibt es an jeder Ecke welche, aber das ist einen eigenen Beitrag wert – und jeder Abfallcontainer werden systematisch von mehreren Katzen nach möglichem Futter durchsucht. Die meisten sind in erbärmlichem Zustand.

Müll fliegt an jeder Ecke rum und wird systematisch ausgewertet.

Einfach weil es so viele sind, kann man den Impuls, die alle mit nach Hause zu schleppen, relativ gut unterdrücken. Aber auch echte Wohnungskatzen fliegen häufig mal raus. Die sitzen dann unglücklich im Hausflur vom Hochhaus und brechen einem das Herz. So wird man dann doch wieder Katzenmutter, auch wenn man sich geschworen hat, dass das nicht geht in einer Etagenwohnung mitten in Kairo mit Job und Reiseplänen. Ist ja sowieso egal in Corona-Zeiten. Den Job mache ich ja längst im Home-Office und der Flughafen ist eh geschlossen.

Über Farben…

Kursleiterinnen der Patchwork-Gilde denken in der Ausbildung ein ganzes Wochenende (und länger) über Farben nach. Danach kommt die Hausaufgabe: Ein kleiner Quilt (40×40 cm) zu einem beliebigen Farbkontrast. Keine große Sache also und da gab es ja so einen Block, den ich schon immer mal nähen wollte, der bot sich jetzt an. Also hab ich ihn genäht, und dann noch mal genäht und noch mal und noch mal….. Es ist immer der gleiche Block und ich finde es immer noch toll, wie unterschiedlich der werden kann. Dinkelsbühl hat dann das Seine zu meinen Farbstudien beigetragen….

Kursleiterin in der Patchwork-Gilde

Hausaufgabe im Kurs „Traditionelles Patchwork“

Die Patchwork-Gilde Deutschland ( Link zur Gilde-Homepage ) bildet Kursleiterinnen aus. Die Ausbildung besteht aus sieben Wochenend-Modulen (mit Hausaufgaben), einer Lehrprobe und einem Abschluss-Quilt zur Zertifizierung. Während der Patworktage in Dinkelsbühl gab es am letzten Mai-Wochenende im Rahmen einer Ausstellung dann die Zertifikate. Eines davon auch für mich. Ich habe mich riesig gefreut, dass es mir trotz der wenigen Zeit in diesem Jahr doch gelungen ist, alles fertig zu bekommen. Nach und nach werde ich vorstellen, was so entstanden ist in diesem Jahr.

Frauenleben….

Das schön bestickte Mittelteil eines traditionellen  Huipils aus dem Hochland Guatemalas bildete den Ausgang dieses Quilts. Das rote Feuer der Vulkane, die Wälder, Flüsse, Bäche und Felder des Landes prägen das tägliche Leben der Menschen auf dem Land. In der von Hand gewebten und reich bestickten Tracht der Frauen ist diese Erfahrung verarbeitet. Im Quilt sollte dieser mentale Bezug sichtbar werden.  Eingearbeitet sind daher Cortes (die „Röcke“ der Tracht aus handgewebten Stoffstücken) und Huipiles (die Oberteile) der Trachten aus unterschiedlichen Orten des Landes. Die Muster und Farben sind jeweils typisch für bestimmte Gegenden. Einige Unis und Batiken habe ich ergänzt. Baumwolle, teilweise beschichtet und bemalt; Zwischenlage aus Synthetik.

Details:

 

Bernina Quilt-Along – Medaillon-Quilt

Den Medaillon-Quilt verdanke ich – die Kennerinnen haben das längst erkannt –  Dorthe Niemann und Andrea Kollath, den beiden Besitzerinnen ganz schlimmer Dealer-Hotspots für angefixte Stoffsüchtige – also Patchworkläden – zwischen Rhein und Main. ( hier zur Quiltmanufaktur       und hier zu lalala-Patchwork )   Zusammen haben sie auf dem Bernina-Blog mit ihrem Quilt-Along im letzten Jahr mindestens 100 Näherinnen glücklich gemacht – mich auch. Ich bin zwar nicht pünktlich im Oktober fertig geworden, aber dafür pünktlich zur Diamantenen Hochzeit meiner Eltern im Dezember 🙂

Die beiden haben wirklich sehr gute Anleitungen geschrieben und mich hat wieder mal umgehauen, wie aus einer Anleitung 100 völlig unterschiedliche Quilts hervor gehen. Auf jeden Fall war es eine schöne Übung im Nähen klassischer Patchwork-Blöcke, die mich durch ein Jahr voller Umbrüche und Veränderungen (neuer Job, neue Stadt, neue Wohnung…) begleitet hat. „Bernina Quilt-Along – Medaillon-Quilt“ weiterlesen

Neuzugang mit Folgen….

Alles fing damit an, dass mir ein alter Brother Grobstricker ins Haus flog. Nicht ahnend, worauf ich mich da einlasse, hab ich ihn begeistert in Empfang genommen. Zwei Wochenenden, eine große Dose Ballistol, Maschinenöl, Alkohol, Entharzer und eine neue Sperrschiene waren nötig, aber dann hat er gestrickt. Leider nur dicke Wolle, also keine Socken oder dünne Schals zum Beispiel. Hat nicht lange gedauert, dann kam ein Feinstricker dazu. Offensichtlich genauso lange im Schrank gestanden wie der Grobi. Also wieder ein Wochenende, eine Dose Ballistol, viel Geduld, Maschinenöl, noch ne Sperrschiene…….  Jetzt strickt auch der. Zwei weitere Wochenenden hab ich gebraucht um Herr (also: Frau) der Lage an der 200-Nadel-Front zu werden. Zu beiden Maschinen habe ich eine Doppelbett-Ergänzung, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht. Jetzt könnte der Spaß also los gehen, aber jetzt muss ich erst mal all die anderen Sachen erledigen, die deswegen liegen geblieben sind. Außerdem soll der Esstisch wieder mal zum essen benutzt werden. Mist auch. Wenigstens kann ich ihn schon mal zeigen.

„Neuzugang mit Folgen….“ weiterlesen

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner