El Hilo Latino
Textilkunst, Patchwork und Quilts

Halbquadrat-Dreiecke: Serien und Muster

Halbquadrat-Dreiecke oder HST (half square triangles) lassen sich leicht nähen und wunderbar zu schönen Blockmustern legen. Alle Grundlagen dazu findest du hier. Sie sind aber auch ein phantastisches Restequilt-Tool, lassen sich leicht in größeren Mengen produzieren und können auf Vorrat genäht werden. Alles zur Produktion größerer Serien und Mustern, die daraus entstehen können kommt in diesem Beitrag. 

  1. Wie näht man gleich vier, acht oder noch mehr Halbquadrate auf einmal? 

  2. Beispiele für Halbquadrat-Quilt-Designs, die nicht aus einzelnen Blöcken zusammengesetzt sind. 

     

Fangen wir mit Teil zwei an:

Beispiele für Halbquadrat-Quilt-Designs, die nicht aus einzelnen Blöcken zusammengesetzt sind. 

Wer in Massenproduktion gehen möchte, braucht jeweils zwei unterschiedliche Stoffe. Im Beispiel hier habe ich meine Indigo-Batik-Blockprints aus Indien in der Negativ- und Positiv-Variante verwendet. Ich hatte mehrere unterschiedliche Motive, die aber alle entweder hell auf dunkel oder dunkel auf  hell waren. Weil der Quilt das hässliche Sofa zudecken sollte, ist in der Mitte der Platz für das Sofakissen „markiert“. Aber das Leben kommt immer dazwischen – als der Quilt endlich fertig wurde, war das Sofa längst Geschichte und ich in einer anderen Wohnung.

Die Bagru- Blockprints sind  weicher und etwas dünner als „normale“  Patchworkstoffe. Beim Nähen sind sie deswegen auch ein bisschen volatiler als zum Beispiel ein Fahnentuch oder Kona Cotton. Aber es werden wunderbar weiche Quilts (wenn man sie nicht zu viel quiltet). Dieses Top hier habe ich mit einer dünnen Baumwoll-Zwischenlage und einem weichen Flanell als Rückseite verarbeitet. Man kann wunderbar darunter schlafen, die Baumwolle gleicht Temperaturen aus, schmiegt sich an und ist insgesamt sehr angenehm. 

Wer Reste vernähen möchte, schafft Ordnung, indem man eine Grundfarbe jeweils mit den Resten kombiniert. Das lässt sich super auf Vorrat nähen. Irgendwann hat man genug Halbquadrat-Dreiecke zusammen und kann an der Designwand loslegen. Mir machen auch dreidimensionale oder verwobene Muster ganz viel Spaß. Man muss dann aber ein bisschen mehr planen, als wenn man einfach nur mit den Resten wild durcheinander drauf los näht (was auch zu tollen Ergebnissen führen kann!) Im Bild unten so ein Beispiel: Als dieser als Krabbeldecke geplante Quilt für das Neugeborene endlich fertig war, kam das Kind gerade in die Schule. Ich habe zeitweilig wirklich sehr viel Geduld mit mir selber und dem Leben an sich haben müssen….

Ich habe Schwarz-Weiß-Reste mit rottonigen Unis und Weiß und Schwarz kombiniert. Bei diesem Muster sind noch Quadrate mit vernäht. 

Carpenter’s Star ist ebenfalls ein Beispiel für ein schönes Design nur aus Halbquadraten. Es ist ein sehr traditionelles Muster In meinem Beispiel hier habe ich allerdings die Mitte verändert, weil meine Mutter sich für diesen kleinen Quilt einen sehr schönen Stoff ausgesucht hat und ich die niedlichen Vögel richtig in Szene setzen wollte. Die Farben sind auf die Vögel und das Wohnzimmer abgestimmt und ein bisschen Gold schadet ja auch nie. Die aufgenähten Kordeln lösen die großen einfarbigen Flächen etwas auf um dem Ganzen die Strenge zu nehmen. 

Carpenters Wheel

Resteverwertung und  Scrapquilts

Die wenigen Beispiele zeigen schon, dass Halbquadrat-Dreiecke – geschickt verwendet – zu tollen Mustern werden können. 

Ihre wahre Macht entfalten Halbquadrate, wenn es darum geht, viele unterschiedliche Reste irgendwie unter Kontrolle zu bekommen, ohne dass man gleich einen ganzen Quilt zu Ende nähen kann oder will. Lege einfach eine Quadrat-Größe fest, oft verwendet wird  zweieinhalb inch zum Beispiel, aber jede andere Größe geht auch.

Achtung! Es gibt DREI wichtige Werte: Die Größe des Quadrates wenn es am Ende eigenäht ist, die Größe, die das Quadrat hat BEVOR  man es einnäht und schließlich die Größe, die das Quadrat haben soll, das du als erstes aus dem Stoff ausschneidest, damit du am Ende die beiden ersten Werte auch erreichst.

Beispiel: Deine eingenähten Quadrate sind 2″ groß oder 5 cm. Dafür musst du Quadrate nähen, die 2.5 “ oder etwa 6,2 cm groß sind. (= eingenähte Größe + 2 mal Nahtzugabe). 

Wenn du jetzt Quadrate zuschneidest, müssen die größer werden, weil du rechts und links der Diagonalen ja auch noch eine Nahtzugabe hast. Besonders, wenn du noch nicht so viel Erfahrung im Nähen hast, schneidet du 3 “ oder 7 cm zu. Nach dem Nähen, Schneiden und Bügeln sind deine beiden Quadrate ein bisschen schief und du schneidest sie zum perfekt passenden Quadrat zurecht. Das ist das Trimmen. 

Wenn deine Reste sortiert und gebügelt sind, schneidest du sie also einfach in Quadrate. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du kombinierst immer hell mit dunkel, das wird richtig bunt.  Oder du kombinierst die Reste mit einer neutralen Grundfarbe (mein Favorit: gut erhaltene Bettlaken, die keiner mehr will) das bringt etwas optische Ruhe in die Angelegenheit. Unis lassen sich natürlich auch super kombinieren. Dir wird schon was Spannendes einfallen. 

Ran an die Maschine:

Immer zwei Quadrate aufeinander legen, die Diagonale markieren und rechts und links davon Steppfußbreit oder mit 1/4 inch Nahtzugabe nähen. Danach auf der Diagonalen schneiden und schon sind zwei Quadrate fertig. Genau erklärt im ersten Beitrag zu den Halbquadraten

Das machst du einfach immer, wenn du zwischendurch mal unbedingt eine Auszeit an der Nähmaschine brauchst. Mit der Zeit wächst der Vorrat an perfekt vorbereiteten Teilen und irgendwann kommt dann das ultimative Wochenende, an dem du alles zusammen puzzelst. Ich spiele gerne auch mit meinen Design-Karten vorher schon mal Möglichkeiten durch. Aber auch allereinfachste Muster geben schon richtig was her, also wirklich eine entspannte Sache!

Aber wir wollten ja möglichst rationell gleich mehrere Halbquadrate auf einmal nähen.  Also folgt hier eine (EINE! es gibt ganz viele und fast alle sind richtig!) Antwort auf die Frage: 

Wie näht man gleich vier, acht oder noch mehr Halbquadrate auf einmal? 

Vorab: Es gibt Methoden, die funktionieren sehr gut und andere, mit denen ich selber schlechte Erfahrungen gemacht habe (aber das sagt nichts, bei anderen klappt das vielleicht super!) Das ist der Grund, warum ich hier ausführlich beschreibe, wie man acht Stück auf einmal macht (geht super) aber nicht, wie man vier macht (geht so lala).

 Wenn man vier auf einmal näht, braucht man ein Quadrat, dass man so berechnet, dass die Außenkanten später die Diagonalen im Quadrat sind. Man legt zwei Stoffe rechts auf rechts aufeinander und näht einmal steppfußbreit außen rum. Danach wird diagonal über kreuz mitten durch geschnitten und der Stoff an den Nähten nach außen geklappt. So entstehen dann vier Halbquadrate auf einmal.

Klingt sehr überzeugend, aber an zwei Stellen entstehen bei mir immer Probleme. Erstens: die Naht außen rum verzieht und verschiebt sich bei mir gerne und zweitens entstehen Quadrate mit Seitenkanten im schrägen Fadenlauf. Also: man braucht eine sehr zarte Hand beim Bügeln und am besten Sprühstärke beim Nähen. Ich finde nicht, dass ich das empfehlen sollte für Menschen, die noch nicht so super erfahren sind im Patchwork. Die sollten mit sicheren Anleitungen zu schönen – motivierenden – Ergebnissen kommen.  Daher erkläre ich jetzt lieber, wie ich acht Quadrate auf einmal nähe.

Man legt zwei Quadrate aufeinander und markiert ein Kreuz diagonal. Dann näht man jeweils rechts und links der markierten Linien ebenfalls diagonal über Kreuz. Geschnitten  wird dann zwischen den Nahtlinien und zusätzlich in den entstandenen Dreiecken. Eigentlich ganz einfach. Bleibt noch ein bisschen Theorie um die notwendigen Größen zu ermitteln: Die Anleitung hier lässt sich beliebig auf alle denkbaren Größen anwenden, ist also universell einsetzbar. Es gibt im Netz aber auch Tabellen, in denen Maße angegeben sind jeweils für unterschiedliche Quadratgrößen. 

Also: Für 8 auf einmal brauchst du zwei mal die eingenähte Größe + vier Nahtzugaben + den Zuschlagt für die Nahtzugaben an den Diagonalen + den Sicherheitszuschlag (in meiner Zeichnung oben steht 1″ rot eingerahmt. DAS IST DAS ABSOLUTE MINIMUM! Mach das nur, wenn du sehr akkurat nähst und sauber bügelst. Ansonsten gönn dir ein halbes Inch dazu und freu dich an perfekten Quadraten). 

Beispiel; Dein eingenähtes Quadrat hat 2″. Dann brauchst du 2 mal 2″ und 4 mal 1/4″ (Nahtzugabe) und gut 3/4″ für die Diagonalen und noch ein bisschen Sicherheitszuschlag, also noch mal 3/4″. Das heißt 2 x 2″+ 1″ + 3/4″ + 3/4″ = 6,5”  (das ist mit meinem 6,5er Lieblingslineal einfach einmal außen rum – kurz und schmerzlos). 

Du magst lieber cm? Dann also zum Beispiel 2 mal 5 cm und vier mal 0,6 cm Nahtzugabe ( –> 2,5 cm) plus  2,5 cm für die Diagonalen und noch 1,5 cm Sicherheitszuschlag. Macht dann 2 x 5 + 2,5 + 1,5 = 14 cm. (falls dich jetzt die Unterschiede irritieren: 5 cm sind ca. 0,8 cm kleiner als 2″)

Nach so viel Denken jetzt das Nähen und Schneiden in mehreren Schritten als Fotos. Wenn du es einmal raus hast, geht es ganz einfach und macht wirklich Spaß. Kleiner Hinweis noch zum Schneiden: Der letzte Schnitt erfolgt in diesem Fall nicht zwischen zwei Nähten, sondern teilt die entstandenen Dreiecke in zwei gleiche Teile. Dieser Schnitt muss oben durch den Kreuzungspunkt der Nähte gehen und senkrecht auf der langen Seite des Dreiecks (also der Hypotenuse) stehen.  Leg also dein Lineal sauber an (oder markiere die Linie sorgfältig), bevor du schneidest, sonst wird es schief. (Dafür ist dann der Sicherheitszuschlag gedacht, um das wieder in Ordnung zu bringen).  

Deine schönen Dreiecke werden schließlich auseinander gebügelt (pressen, nicht schieben – die Diagonale ist im schrägen Fadenlauf!) und auf das genaue Maß gebracht. 

Auch der letzte Schritt, das sogenannte Trimmen auf das exakte Maß ist im ersten Beitrag schon genau erklärt. Hier die Kurzform: Lineal genau auf die Diagonale in eine Ecke legen. Rechts und links begradigen. Quadrat umdrehen, die 45°-Linie genau auf die Naht, die beiden Seiten genau auf das gewählte Maß (hier 2,5″). Dann die beiden Seiten begradigen. Fertig! (Im letzten Foto siehst du vorher und nachher im Vergleich.)

 Bleibt zum Schluss noch die Möglichkeit, Halbquadrat-Dreiecke  auf Papiervorlagen zu nähen, die man sich aus dem Internet ausdrucken kann. Auch dafür werden zwei Stoffe rechts auf rechts aufeinander gelegt und das Papier zum Schluss oben auf. Genäht wird dann auf den Nahtlinien des Papiers, geschnitten ebenso. Funktioniert gut vor allem bei kleinen Quadraten, die man in größerer Zahl nähen will. Freies Anzeichnen der Linien geht prinzipiell auch, du solltest dann aber die beiden Stofflagen gut aufeinander fixieren (stecken) damit beim Nähen nichts verrutscht. Patchwork- und Quilthändler bieten manchmal auch die Papiervorlagen von der Rolle an. (Vorsicht! Oft teuer!) Generell wird Nähen auf Papier immer sehr genau, das gefällt mir sehr. Im Gegensatz zu anderen Mustern bzw. Blöcken hat man hier auch nicht das Problem, das blöde Papier am Ende aus den Nahtecken wieder raus zu fummeln, weil es keine schwierigen Stellen gibt. In den Fotos unten habe ich die Schritte zusammengestellt. 

Mein Fazit: Ich nähe am liebsten acht auf einmal, aber Papier ist auch einen Versuch wert. 

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