Eine gebrauchte Nähmaschine kaufen – das überlegen sich gerade die Anfänger:innen oft, weil man natürlich noch nicht weiß, ob das wirklich eine Freundschaft auf Dauer wird, oder doch nur ein kleines Nähhobby-Strohfeuer. Nähen kann sehr schnell ins Geld gehen, ich weiß von ganz vielen vierstelligen Beträge die für eine Maschine über den Ladentisch gegangen sind, meine eigenen Maschinen inclusive.
Ich finde aber, dass sich das Recycling nicht nur auf die Materialien beziehen soll! Manches ist sicher kaputt ,oder wirklich nicht mehr aufhebenswert, aber es ist eben auch ein großes Glück, eine in Vergessenheit geratene Prinzessin wieder wachküssen zu dürfen.
Es gibt ein paar Gedanken, die ich euch auf dem Weg zur ersten eigenen Maschine mitgeben möchte:
Eine schlechte/kaputte/schwergängige/minderwertige Maschine ist der Garant für das vorzeitige Ende eines wunderbaren Hobbys. Lass dich auf keinen Fall auf sowas ein! Was in Supermärkten, Discountern oder Baumärkten manchmal angeboten wird, ist fast immer beeindruckend billig, aber oft (nicht immer!) die Quelle endlosen Frusts.
Andererseits: In zahllosen Kleiderschränken, Speichern, Abstellräumen und Kammern fristen großartige Maschinen (ich sage nur: Legendäre Pfaffs zum Beispiel!) ein trauriges Dasein in der Versenkung. Es werden wirklich oft Haushalte aufgelöst und dann tauchen Maschinen zum Beispiel bei Kleinanzeigen auf, die von ihren Vorbesitzerinnen liebevoll gepflegt worden sind und noch viele Jahre mitgehen können. Manchmal bekommst du so eine Maschine sogar irgendwo in der Verwandtschaft geschenkt.
Wenn man sich überlegt, was eine Industriemaschine (und der meistens viel zu junge Mensch dahinter!) in der Produktion mitmacht, kann man sich gut vorstellen, dass eine Maschine in einem Haushalt viel länger durchhält.
Also: Eine gute Markenmaschine gebraucht ist oft die bessere Wahl, als eine billiges neue Noname-Angebot.
Oft erfährst du auch viel über deine mögliche neue Maschine, die Vorbesitzerin und die Umstände des Verkaufs, wenn du das Objekt deiner Begierde persönlich bei den Anbietern in Augenschein nimmst.
In meinem Nähzimmer ist auf diese Weise gerade eine gute Maschine eingezogen.
Ich hatte sie auf Kleinanzeigen gefunden und bin am übernächsten Tag – bewaffnet mit der Sackkarre – losgezogen. Ein richtiger kleiner Tagesausflug mitten im trüb-nebligen Nieselregen im Januar. Und nein – du musst nicht in einen Flieger steigen, um durch Wüsten oder Urwälder zu wandern. Die Bahn liefert das Abenteuer viel billiger und spontan auf der Fahrt quer durch mein Heimat-Bundesland NRW. Diesmal gab es sogar 13 Euro für das Ticket zurück. Das allerdings wusste ich glücklicherweise noch nicht, als ich morgens in Bonn gestartet bin.
Aber ich mag das sehr, wenn die Umstände dich an Orte bringen, die du nie vorher gesehen hast, obwohl sie eigentlich nebenan sind.
Beim Umsteigen in Bielefeld blieb noch Zeit übrig, die bemerkenswerte Leere des dortigen Bahnhofsvorplatzes zu bewundern bevor es durch die ländlichen Schnee-verwehungen ging, immer in Richtung zu meinem neuen Adoptivkind, das in einem ostwestfälischen Dorf auf mich wartete.
Ich fand freundliche Menschen, die sich wirklich gefreut haben, dass jemand die Nähmaschine der verstorbenen Besitzerin gerne ins Herz schließen wollte, und versehen mit guten Wünschen und den letzen Garnrollen ging es zurück zum Bahnhof.
Abschied aus der alten Heimat und Ankunft im neuen Zuhause: Das mit der Sackkarre war – angesichts der 17 Kilo – definitiv eine gute Idee.
Während ich mich schon mal um die Rückerstattung gekümmert habe, durfte meine neue Prinzessin in Ruhe ankommen. Ich glaube es gefällt ihr bei mir, umgekehrt bin ich jedenfalls sehr glücklich über meinen Neuzugang.
Ich hoffe, ich kann dich so ein bisschen motivieren, auch nach einer Nähmaschine zu suchen, die irgendwo da draußen auf dich wartet.