Jedes Mal im Herbst würde ich den Sommer gerne festhalten: Die Freiheit, einfach im T-Shirt rauszulaufen, die Farben, das Licht, den Duft der Wiesen aufzusaugen. Frederic fällt mir dann ein, der „faule“ Mäuserich aus der Geschichte, der im grauen Winter den lauschenden Mäusen den Sommer mit seinen Geschichten zurückbringen konnte. Ach, das könnte ich auch gerne.
Gleichzeitig streicheln wir gerade wieder die weichen Oberflächen der riesigen Winterstoff-Ballen – irgendwie ja auch schön … . Mein – wegen drohender Ungemütlichkeit draußen -dringendes Herbstprojekt war jetzt ein Dufflecoat.
Einen Dufflecoatschnitt finden
Einen Schnitt für den Dufflecoat zu finden ist nicht ganz einfach, er scheint gerade nicht in Mode zu sein, obwohl ich denke, der kommt NIE aus der Mode. Fündig geworden bin ich schließlich im Grainline Studio, einer nordamerikanische Seite aus Chicago, auf der auch ansonsten viel Klassisches zu finden ist. Besonders gut fand ich den zweiteiligen Ärmel und die dreiteilige Kapuze. Ein Wollflausch lag schon lange im Regal und auch die typischen Knebel lungern seit Jahrzehnten (!) bei mir rum. Füttern war wichtig, weil gerade die Dufflecoats unangenehm sind, wenn man in die ungefütterten Ärmel rein soll. Oft sind sie aus Doubleface oder sehr dickem Wolltuch und die Nahtzugaben der ungefütterten Mäntel sind einfach eingefasst. Dafür war mir mein Stoff auch zu dünn.
Meine luftig-leichten indischen Handblock Prints fristen jetzt im Herbst ein eher trauriges Dasein, aber die leuchtende Farbe dieses original Anokhi-Drucks passt perfekt zum Außenstoff und gibt meinem Duffle jetzt eine leuchtend bunte Erinnerung an einen heißen Sommer. In den Ärmeln steckt aber ein normales Taftfutter, damit man ganz leicht hineinkommt.
Um die Wärme zu verstärken, habe ich eine Funktionsfolie mit eingebaut, die ich bei Funfabric gefunden habe. Sie ist ziemlich dünn, winddicht und isoliert gut, darf aber nicht gebügelt werden. Sie ließ sich gut nähen, ist aber nicht ganz einfach als Zwischenlage unter Kontrolle zu halten.
Die Kunststoff-Isolierung habe ich aber auch nur eingebaut, weil der Oberstoff auch Plastik enthält, beim nächsten Mal würde ich aber lieber ein dünnes Wollflies nehmen und mehr Geld in den Oberstoff investieren.
44 Schnitteile und kein Ende …
Ehrlich gesagt, hat es allein einen langen Abend gebraucht, um all diese Schnitteile auszuschneiden und zusammenzukleben. Unterm Strich gab es wirklich viel Detailarbeit an diesem Mantel, so dass ich richtig lange gebraucht habe. Der Reißverschluss ist extra in ein Band eingefasst, das Füttern macht zusätzlich Arbeit, Innentaschen sollten auch nicht fehlen. Ich würde den Mantel aber tatsächlich noch mal nähen, lieber noch eine Nummer größer, damit auch noch ein dicker Pullover oder Hoodie drunter passt. Man weiß ja nie, ob der Winter auch so ins Extrem geht wie der letzte Sommer. Auf jeden Fall kommt jetzt immer eine Gute-Laune-Erinnerung mit, wenn ich raus in den grauen Tag muss.