El Hilo Latino
Textilkunst, Patchwork und Quilts

Waschtest

Waschtest

Waschtest macht Sinn, denn nach dem ersten, begehrlichen Blick auf den Stoff stellt sich direkt danach die Frage: „Wie sieht das wohl aus, wenn es zum ersten Mal aus der Maschine kommt?“ Die Arbeit an der Nähmaschine soll langfristig nachhaltig sein. Kleidung und Lieblingsquilts werden dauernd gewaschen und müssen einiges aushalten. 

Dass die Industrie stabile Farben auf den Stoff bringt wissen wir, aber bei handwerklich produzierten Stoffen ist unser Mißtrauen groß. Wir haben schlechte Erfahrungen mit Pflanzenfarben, Teebeutel-Versuchen, Rote-Beete-Experimenten und Zwiebelschal-Abenteuern. 

Naturfasern wie Baumwolle können grandios einlaufen und unprofessionelle Färbungen können so viel Überschuss haben, dass ein einziges T-Shirt eine ganze Waschladung in stabiles Pink oder Himmelblau verwandelt. 

All diese Erfahrungen gehen uns durch den Kopf, während wir das schöne Hand Block Druck Muster streicheln und uns vorstellen, dass da ein herrlicher Baby-Quilt draus werden könnte.

Der aber wird Karottenbrei, Milchspucke, Spinat und Gartendreck ertragen müssen. Müde Eltern werden den abends in die Maschine pfeffern, in der stillen Hoffnung, dass die ganze Schweinerei raus geht und das Muster drin bleibt. Daher folgen hier 

Einige Grundsätze: 

  • Wer gebrauchten Stoffen neues Leben gibt, hat gleich mehrere Vorteile: Jeglicher Farbüberschuss oder Chemierückstand ist längst raus gewaschen. Einlaufen wird gebrauchter Stoff auch nicht mehr. Das kommt zum guten Gefühl, nichts weggeschmissen zu haben, hinzu. 
  • Stoffe, die während der Färbung mehrfach gewaschen werden, laufen nicht mehr ein. Das gilt z.B.  für alle Indigo-Block-Prints. 
  • Indigo hat fast immer noch einen Farbrückstand und wird beim ersten Waschen ausfärben. So wie Jeans. Außerdem entwickelt sich die Farbe an der frischen Luft, der Stoff ist also zwangsläufig draußen. In Indien heißt „draußen“, dass der Stoff auch jede Menge Staub und Sand aufnimmt, denn viele Stoffe kommen aus Rajasthan. Ein Wüstenstaat, in dem die Wüste Thar den größten Teil der Fläche ausmacht. Im Mai tagsüber 46°-48°C und natürlich kein Regen. Schon das ein Grund, solche Stoffe vor dem Vernähen durchs Wasser zu ziehen. 
  • Stoffe die nur bedruckt sind, hatten noch keinen Wasserkontakt und laufen noch ein. Die Farben verteilen sich in der ersten Wäsche besser über die ganze Faser, der Druck wird daher minimal blasser, aber besser durchgefärbt. Baumwolle läuft durchschnittlich um drei Prozent ein, das sind dann immerhin drei cm pro Meter. Das sollte unbedingt VOR dem Nähen passieren! Besonders, wenn man unterschiedliche Stoffe miteinander verbindet, die nicht gleichmäßig einlaufen. 
  • Wenn man Stoffstücke einfach in die Maschine schmeißt, zieht man in der Regel fransige, verknitterte, miteinander verknotete Würste wieder raus. Deswegen im Feinwaschgang (am besten mit erhöhtem Wasserstand) waschen und nur anschleudern. Dann ein bisschen glattziehen und auf der Leine trocknen. Trockenbügeln geht auch. Vernäht hat jedes Gewebe viel mehr Stabilität, aber hohe Schleudertouren können Knitter beinhart einpressen. Schwierigste Kandidaten: Leinen, Nessel, Hanf. 
  • Kochsalz im letzten Spülgang hilft Farben zu stabilisieren. Weichspüler ist kontraproduktiv und Bleichmittel sind der Tod aller Farben! 
  • Ja – Trockner sind praktisch. Aber deine Sachen müssen erst hochtourig geschleudert werden um dann bei großer Hitze intensiv bewegt zu werden. Naturfasern leiden dabei immer. Deine Stromrechnung auch. Manchmal geht es vielleicht nicht anders, aber oft ist dein Lieblingsteil auch auf der Leine am nächsten Tag trocken und bleibt dir länger erhalten. 
  • Flecken mit Gallseife oder Vorwaschspray gezielt vorbehandeln. Im Ernstfall  (Kaugummi, Sonnencreme, Filzstift, Kirschsaft …) Spezialmittel vor dem Waschen einsetzen. Moderne Enzyme sind wirklich Wunderwaffen. 
Indigo Hand Block Quilt in der Waschmaschine

Da schwimmt der Indigo-Blaudruck-Lieblingsquilt in der Maschine. Das macht er notgedrungen öfters. Ein Gebrauchsquilt muss definitiv anderen Anforderungen genügen, als ein Kunstwerk an der Wand. 

Waschtest indische hand block prints

Hand Block Print aus Jaipur im Waschtest: Noch nicht gebügelt. Gewaschen bei 60° im Normalprogramm mit reduzierter Schleuderdrehzahl (800)  und Color-Vollwaschmittel. Man sieht, dass die Farben in der ersten Wäsche ein bisschen heller werden und sich besser im gesamten Gewebe verteilen. Hellere Stoffe kommen in die 60°-Wäsche, bei dunkleren Stoffen sind 40° ausreichend. Um zu sehen, wie Stoffe einlaufen, markiere ich mir vor der Wäsche 50 oder 100 cm mit dem Edding. Fast immer werden dann aus 100 cm ungefähr 97cm. Der Einsprung liegt also etwa bei 3%. Wie gesagt: das gilt nur für Stoffe, die keinen Wasserkontakt hatten. Batiken und Indigo-Blaudrucke laufen nicht mehr ein. 

Waschtest indische hand block prints
Waschtest: vorher-nachher
Waschtest indische hand block prints
Waschtest indische hand block prints

Randstücke oder Reste schmeiße ich gerne schnell mit in die Maschine um zu sehen, wie Farben und Gewebe nach der Wäsche aussehen. Manchmal werden dabei aus hässlichen Gänslein schöne Schwäne. Zum Beispiel, weil die Stoffe noch viel Staub enthalten oder durch die Druckfarbe ein bisschen steifer geworden sind. Hinterher fallen sie weich und schön und die Farben bleiben intensiv, verteilen sich aber insgesamt noch ein bisschen besser im Gewebe. 

Fazit:

  • Im Zweifel vorher waschen. (Ich habe auch bei ganz teueren Markenstoffen schon super böse Überraschungen erlebt. Schau mal hier, beim Old Block Quilt, zum Beispiel.) Aber: 40°, Feinwaschmittel und 800 Schleudertouren reicht völlig aus! Das ist dein Lieblingsstoff und nicht der Giersch oder die spanische Wegschnecke in deinem Garten.
  • Bei Flecken sind Großmutters Hausmittel nicht mehr immer die besten Waffen. Ich bin von Haus aus eigentlich Biologin und mein Vertrauen in moderne Enzyme ist nicht gefühlt, sondern wissenschaftlich abgesichert. Gute Fleckentferner und moderne Waschmittel arbeiten mit weniger harter Chemie und mehr präziser Biologie. So zerlegt man Grasflecken, Bratensoße und Make Up effektiv, ohne dem Stoff zu schaden. 

Happy Laundry Day!! 

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